Pflastersteine sind schön anzuschauen. Und wenn man das richtige Schuhwerk trägt und gut zu Fuß ist, stellen sie auch kein Problem dar. Gerade die Prager Altstadt kennt sehr viele malerische Plätze und verwinkelte Gässchen mit dem gepflasterten Untergrund. Doch was bei Touristen nostalgische Gefühle auslöst, stellt Rollstuhlfahrer vor große Probleme. Der Bodenbelag ist allerdings nur eines der Probleme, die man als gehandicapter Mensch in Prag hat. Leider behandelte die Stadt Prag dieses Thema früher eher stiefmütterlich. Das hat sich inzwischen gebessert. So wurden Fußgängerübergänge abgeflacht oder Ampeln mit akustischen Signalen ausgestattet für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Dennoch warten weiter viele Aufgaben auf die Stadtverwaltung. Aber ebenso auf die privaten Betreiber von Restaurants, Clubs oder Hotels. Denn auch hier können die meisten Besitzer keinen barrierefreien Rahmen anbieten.

Wir wollen Ihnen auf der folgenden Seite einen kurzen Überblick geben

Barrierefreier Zugang zu den Sehenswürdigkeiten

Hierzu ein Hinweis in eigener Sache: Wir haben, so weit uns bekannt, alle Sehenswürdigkeiten mit einer Rollstuhlgrafik gesondert gekennzeichnet, die entweder barrierefrei sind oder teilweise barrierefrei. Dabei hielten wir uns an folgende Karte:

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Wer nähere Details zu der Zugänglichkeit der Sehenswürdigkeit erfahren möchte, klickt bitte auf das jeweilige Symbol auf der Karte.

Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr

Besitzer eines Schwerbehindertenausweises fahren zusammen mit einer begleitenden Person in Prag kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr. Seit Jahren werden in Prag Busse mit Niederflurtechnik eingesetzt, was einen stufenlosen Einstieg für Rollstuhlfahrer ermöglicht. Dasselbe gilt auch für die Straßenbahnen. Bei den Metrostationen ergibt sich folgendes Bild: 45 von 61 sind barrierefrei, allerdings befinden sich unter den (noch) nicht behindertengerechten, die für gehandicapte Touristen so wichtige Haltestellen wie Náměstí Republiky (Prager Neustadt), Staroměstská (Nähe Altstädter Ring), Malostranská (Kleinseite) oder Hradčanská (Hradschin bzw. Prager Burg). Alle diese Stationen lassen sich auch mit Bus und Trambahn ansteuern, falls man alleine unterwegs ist.

Anbei eine Karte mit allen Metrostationen. Die Barrierefreien sind zur besseren Erkennung mit einem „x“ gesondert gekennzeichnet.

Der Betreiber DPP empfiehlt zudem, eine SMS-Benachrichtigung einzurichten, falls kurzfristig z. B. ein Aufzug ausfällt. Hierzu kann man sich über folgende Website registrieren: www.dpp.cz/en/travelling/barrier-free-travelling/metro

Behindertenparkplätze

In Tschechien nutzt man für eine Sonderparkberechtigung und Behindertenparkplätze den O1-Parkausweis, zudem wird der EU-einheitliche Parkausweis auch anerkannt. Als Ergänzung sollte der Benutzer einen tschechischen Hinweistext hierzu ausdrucken und neben den Parkausweis legen. 

Den Hinweis können Sie hier downloaden »

Inhaber eines entsprechenden Parkausweises können ihr Auto an speziellen Parkplätzen abstellen, die mit einem Rollstuhlsymbol gekennzeichnet sind. Allerdings muss der Autohalter dieselben Gebühren zahlen wie alle anderen Parker. Bitte beachten Sie auch, dass die für den deutschen Straßenverkehr geltenden Sondererbestimmungen wie z. B. die Erlaubnis für das vorübergehende Parken in einer Parkverbotszone in Tschechien nicht gelten.

Barrierefreie Stadtführungen

Man muss hier zwei Arten von Reiseführung unterscheiden. Führungen, die beispielsweise für Rollstuhlfahrer auch geeignet sind oder aber einen speziellen Reiseführer bzw. spezielle Reiseführerin, deren Angebot sich besonders für Menschen mit Handicaps eignen und immer auch individuelle Lösungen parat haben.

Führungen, die auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind:

Eine individuelle barrierefreie Stadtführung mit Frau Helena Ganická

*** Der besondere Tipp ***

Frau Helena Ganická ist eine erfahrene Reiseführerin aus Prag, die sich schon vor Jahren auf barrierefreie Stadtführungen spezialisiert hat. Sie bietet nicht einfach nur das übliche Standardprogramm normaler Reiseführer an, sondern bereitet sich gewissenhaft auf die barrierefreien Führungen vor. Zu ihrem Service zählen nicht nur eine barrierefreie Stadtführung, sondern sie bietet - bei Bedarf - auch einen Assistenten für Rollstuhlfahrer, Empfehlungen für barrierefreie Restaurants oder den Transport mit dem Auto an.

Doch lassen wir Frau Ganická sich auch selbst vorstellen:

Ich bin 63 Jahre alt, bin eine „echte“ Pragerin, spreche fließend deutsch und arbeite schon seit 26 Jahren als lizenzierte Stadtführerin in Prag.

Dieser Beruf ist auch meine grosse Liebe. Ich treffe viele interessante Leute, begleite Familien, Schüler, Senioren, Volkshochschulen und auch Menschen mit verschieden Behinderungen. Obwohl viele Strassen und Plätze in Prag mit Kopfsteinen gepflastert sind, finden wir auch gute Touren für die Rollstuhlfahrer.

Aufgrund einer Krankheit vor vielen Jahren sollte ich auch im Rollstuhl enden. Durch starken Willen und Übung kann ich wieder gut laufen, ich bin dankbar  und daher macht es mir Spass auch Menschen mit Handicap zu helfen.

Weil ich weiss, dass die "Prager Rollstuhlfahrer" starke, tapfere Leute sind und oft mehr schaffen als wir Gesunden, gestalte ich meine Führungen stressfrei und trotzdem interessant.
Ich selbst durfte vor Jahren einmal eine Tour im Rollstuhl in Prag machen und kann mir sehr gut vorstellen, wie schwer es ist dies zu bewältigen.
Eine gute Nachricht, man kann in Prag nicht nur viele Sehenswürdigkeiten  mit Rollstuhl besuchen, sondern auch Restaurants oder Cafes.
Kommen Sie nach Prag und lassen Sie sich überraschen! Sie sind  hier herzlich willkommen!!

Es freut sich auf Sie Helena Ganická. AHOJ!

Weitere Infos finden Sie auf ihrer Website »