Prag 1 stimmt für strengere Tourismusregeln
Die Bewohner des Prager Stadtzentrums haben in einem Referendum klare Signale gesetzt: Fast 80 Prozent fordern ein Verbot von E-Scootern, 70 Prozent wollen strengere Regeln für Kurzzeitvermietungen.
Bei einem lokalen Referendum, das parallel zu den Parlamentswahlen am 3. und 4. Oktober 2025 stattfand, sprachen sich die Bewohner von Prag 1 mit überwältigender Mehrheit für umfassende Regulierungen aus, um die Lebensqualität im historischen Stadtzentrum zu verbessern. Von den 20.997 Wahlberechtigten nahmen 9.480 Personen teil – eine Wahlbeteiligung von 45,15 Prozent, die das rechtlich erforderliche Quorum erfüllt und die Abstimmung bindend macht.
Alle sieben vorgelegten Fragen erhielten eine Mehrheit und sind damit für die Bezirksführung verpflichtend. Die höchste Zustimmung mit 82,61 Prozent erhielt die Forderung nach barrierefreien öffentlichen Toiletten entlang beider Moldau-Ufer, die rund um die Uhr zugänglich sein sollen. Auf Platz zwei folgte mit 79,87 Prozent die Forderung nach einem kompletten Verbot von Betrieb und Parken elektrischer Scooter im Bezirk.
Rund 70 Prozent der Abstimmenden unterstützten zudem Maßnahmen zur effektiven Regulierung von Kurzzeitvermietungen, um die Ruhe der dauerhaften Anwohner zu schützen. Weitere beschlossene Maßnahmen betreffen die Regulierung von Lärmbelästigung durch Bars und Ausflugsboote sowie die Beschränkung des Alkoholverkaufs in Convenience-Stores nach 22 Uhr.
„Das Stadtzentrum sollte keine Open-Air-Partyzone sein", erklärte ein Vertreter des Bezirks Prag 1 nach Bekanntgabe der Ergebnisse. „Menschen, die hier leben, verdienen es, zu schlafen, sicher zu gehen und ihre Wohnungen ohne ständige Störungen zu genießen."
Die Abstimmung spiegelt die wachsende Frustration der Anwohner über die Auswirkungen des Massentourismus wider – von lärmenden Wochenendbesuchern über rücksichtslose Scooter-Fahrer bis hin zu den Folgen von Kurzzeitvermietungen und „Alkoholtourismus". Bewohner argumentieren, dass das historische Prag mehr zu einem Vergnügungspark als zu einem Wohnviertel geworden sei.
Die Bezirksführung von Prag 1 muss nun beginnen, lokale Verordnungen zu entwerfen und wo nötig nationale Gesetzesänderungen anzustoßen, um die Referendumsergebnisse umzusetzen. Für Besucher könnten die Änderungen ruhigere Nächte, weniger Scooter und einen etwas anderen Rhythmus des nächtlichen Stadtlebens bedeuten. Für die Anwohner stellt es eine Chance dar, Ruhe und Gemeinschaftsgefühl in Straßen wiederherzustellen, die oft von Menschenmassen dominiert werden.

