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Sieben Schlüssel für einen Schatz: Prags Kronjuwelen werden heute aus der Kronkammer geholt

Es gibt Schätze, die man einfach in einer Vitrine ausstellt. Und es gibt die Böhmischen Kronjuwelen. Für ihren Weg aus der Kronkammer des Veitsdoms braucht es sieben Schlüssel und sieben Menschen, die sie gemeinsam öffnen. Heute ist es wieder so weit.

Wenn am heutigen Montag, dem 14. September 2026, auf der Prager Burg sieben Würdenträger zusammenkommen, geht es nicht um irgendeinen Museumsschatz. Die Böhmischen Kronjuwelen gehören zu den wichtigsten Symbolen der tschechischen Geschichte und Staatlichkeit.

In der Kronkammer des Veitsdoms werden die Wenzelskrone, das königliche Zepter und der Reichsapfel normalerweise streng gesichert aufbewahrt. Die Tür und der Tresor sind mit insgesamt sieben Schlössern gesichert. Für ihre Öffnung müssen deshalb alle sieben Schlüsselträger zusammenkommen: der tschechische Staatspräsident, der Ministerpräsident, die Vorsitzenden von Senat und Abgeordnetenhaus, der Prager Erzbischof, der Prager Oberbürgermeister und der Dekan des Veitsdomkapitels.

Heute werden die Insignien feierlich aus der Kronkammer geholt und in den Wladislaw-Saal des Alten Königspalastes gebracht. Dort beginnt zunächst eine viertägige Vorab-Besichtigung für angemeldete Schulklassen. Für die breite Öffentlichkeit öffnen sich die Türen dann ab Samstag, dem 19. September.

Ein Schatz, der nur selten ans Licht kommt

Die eigentliche Besonderheit der Kronjuwelen liegt vielleicht gar nicht in ihrem materiellen Wert. Sie sind keine Gegenstände, die man regelmäßig in einem Museum betrachten kann. Ihre meiste Zeit verbringen sie verborgen hinter den sieben Schlössern der Kronkammer. Die berühmteste unter ihnen ist die Wenzelskrone, die Karl IV. im Jahr 1347 für die Krönung zum böhmischen König anfertigen ließ. Dazu kommen der königliche Reichsapfel und das Zepter. Bei der diesjährigen Ausstellung wird außerdem das historische Krönungsgewand von 1653 gezeigt. Weitere Exponate erzählen die Geschichte der Insignien und ihre Verbindung mit den Habsburgern.

500 Jahre Habsburger in Böhmen

Unter dem Titel „Habsburkové 500“ – „Habsburger 500“ erinnert die Ausstellung an ein Ereignis, das die Geschichte Böhmens für fast vier Jahrhunderte prägen sollte: Im Jahr 1526 wurde Ferdinand I. Habsburg böhmischer König. Die Ausstellung verfolgt deshalb nicht nur die Geschichte der Krone selbst, sondern auch ihren Weg durch die Habsburgerzeit. Dabei geht es unter anderem um ihre Aufbewahrung auf der Burg Karlštejn, den Transport nach Wien während des Dreißigjährigen Krieges und ihre feierliche Rückkehr nach Prag im Jahr 1791. Das macht die diesjährige Präsentation historisch besonders interessant: Die Kronjuwelen erzählen nicht nur von mittelalterlichen Königen. Sie erzählen auch davon, wie sich die Bedeutung eines solchen Schatzes im Laufe der Jahrhunderte verändert hat – von den Krönungsinsignien eines Königreichs zu einem Symbol der tschechischen Staatlichkeit.

Ein ungewöhnliches Detail: Der Schatz war einmal unterwegs

Dass die Kronjuwelen heute hinter sieben Schlössern liegen, bedeutet übrigens nicht, dass sie immer an diesem Ort waren. Im Laufe ihrer Geschichte wurden sie mehrfach in Sicherheit gebracht. Während des Dreißigjährigen Krieges gelangten sie nach Wien. Erst 1791 kehrten sie feierlich nach Prag zurück. Die Rückkehr muss damals ein Ereignis von enormer symbolischer Bedeutung gewesen sein. Zeitgenössische Berichte schildern, wie Menschen den Transport begleiteten und die Rückkehr der Insignien nach Prag als nationales Ereignis feierten. Mehr als zwei Jahrhunderte später hat sich daran erstaunlich wenig geändert.

Zehntausende wollen die Krone sehen

Seit 2024 werden die Kronjuwelen auf Initiative von Präsident Petr Pavel wieder jährlich öffentlich gezeigt. Und das Interesse ist enorm: Bei der Ausstellung im vergangenen Jahr kamen mehr als 51.500 Besucher, obwohl die Präsentation nur wenige Tage dauerte. Auch in diesem Jahr dürfte der Andrang entsprechend groß sein. Und das hat einen interessanten Nebeneffekt: Wer dieser Tage durch die Prager Innenstadt und hinauf zur Burg kommt, wird die Kronjuwelen vermutlich auch dann bemerken, wenn er gar nicht vorhat, sie zu besichtigen. Die Ausstellung wird für einige Tage zu einem Ereignis, das weit über die Burgmauern hinausreicht.

Praktisch: Wann und wie kann man die Kronjuwelen sehen?

Für Besucher sind die Kronjuwelen vom 19. bis 28. September 2026 täglich von 9 bis 17 Uhr im Wladislaw-Saal des Alten Königspalastes zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. Der kostenlose Eintritt hat allerdings seinen Preis: Zeit und Geduld. Die tägliche Besucherzahl ist begrenzt. Wenn die Kapazität der Südgärten erreicht ist, kann der Zugang bereits mehrere Stunden vor dem offiziellen Ende geschlossen werden. Vor dem Wladislaw-Saal gibt es außerdem eine Sicherheitskontrolle. Die Burg empfiehlt deshalb, möglichst ohne große Taschen oder Gepäck zu kommen. Der Zugang zur Ausstellung erfolgt vom Hradschiner Platz durch das Tor zu den Südgärten, anschließend über die Stiertreppe zum III. Burghof und weiter in den Alten Königspalast. Wer die Kronjuwelen sehen möchte, sollte also nicht erst kurz vor 17 Uhr zur Burg kommen.

Warum sich der Besuch trotzdem lohnt

Vielleicht ist es gerade die Kombination aus Geschichte und Seltenheit, die den besonderen Reiz ausmacht. Man steht schließlich nicht einfach vor einer goldenen Krone. Man steht vor einem Gegenstand, der fast 700 Jahre europäische Geschichte erlebt hat – Krönungen, Herrscherwechsel, Kriege, die Habsburgerzeit, den Untergang der Monarchie und schließlich die Entstehung des modernen tschechischen Staates. Und heute beginnt ihr kurzer Ausflug aus der Dunkelheit der Kronkammer wieder von Neuem.

Quellen: Pražský hrad / Kancelář prezidenta republiky; Česká tisková kancelář (ČTK); ČT24; CzechTourism (VisitCzechia).

Quellen Foto: K. Pacovsky / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Foto: Pajast / Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain)

 

Die Böhmischen Kronjuwelen: Wenzelskrone, Reichsapfel und Zepter.
Schon früh bilden sich üblicheweise lange Schlangen vor der Ausstellung der Kronjuwelen.