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Der Prager Veitsdom

Der Veitsdom kurz & bündig:

  • Der spätgotische Veitsdom ist die berühmteste Kirche von Prag.
  • Seit der Grundsteinlegung 1344 durch Kaiser Karl IV. dauerte es fast 600 Jahre bis die Arbeiten am größten Kirchengebäude Tschechiens 1929 abgeschlossen wurden.
  • Am Veitsdom arbeiteten so berühmte Baumeister wie Matthias von Arras oder Peter Parler.
  • Hier wurden über Jahrhunderte Herrscher gekrönt und liegen auch viele bekannte böhmische Kaiser und Könige wie der hl. Wenzel und Rudolf II. begraben.
  • im reich ausgestatteten Inneren lassen sich künstlerisch wertvolle Elemente aus den verschiedenen Jahrhunderten bewundern, wie die Jugendstil-Glasfenster von Alfons Mucha oder die prunkvolle Wenzelskapelle.

Adresse und Route per Google-Maps:

III. nádvoří 48/2, 119 01 Praha 1-Hradčany

Wegbeschreibung:
Entweder fährt man zur Metrostation Malostranská und nimmt dann den Anstieg über über die alte Schlossstiege (staré zámecké schody). Man kann aber aber auch von der Metrostation die Trambahn-Linie 22 nehmen und zwei Stationen bis Pražský hrad fahren. Viele Besucher kommen auch von der Karlsbrücke, passieren die St.-Niklaskirche auf der Kleinseite, schlendern dann weiter die Nerudova entlang und biegen dann rechts in die Ke Hradu ein, die auch direkt zur Burg führt. Im Burggelände geht man durch das dritte Burgtor und steht dann direkt vor der Kathedrale.

Route zum Veitsdom per Google-Maps »

 

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Zur Entstehungsgeschichte des Prager Veitsdoms

Die Bauzeit hat es wahrlich in sich: Fast 600 Jahre dauerte es von der Grundsteinlegung im Jahre 1344 durch Kaiser Karl IV. bis zum endgültigen Abschluss der Bauarbeiten am Dom im Jahre 1929, nachdem man 1873 den endgültigen Anlauf nahm den Jahrhunderte alten Torso fertig zu stellen. Selbst für den finalen Bauabschnitt benötigte man also 46 Jahre. 

Dem heutigen Dom ging an diesem Platz eine romanische Rotunde voraus, die um 925 von König Wenzel beauftragt wurde, dessen Apsis das Grabmahl des böhmischen Schutzheiligen aufnehmen sollte. Nachdem ein dreischiffiger Nachfolgebau, der um 1060 begonnen wurde, nicht vollendet wurde, unternahm man 1344 einen Neuanfang, nachdem Prag unter Kaiser Karl IV. vom normalen Bistum zum Erzbistum ernannt wurde. Man engagierte hierzu eigens den Baumeister und Architekten Matthias von Arras, einen Vertreter der Spätgotik, der zuvor am päpstlichen Hof in Avignon tätig war. In seiner rund achtjährigen Tätigkeit bis zu seinem Tod im Jahre 1352 wurden der Chor mit Arkaden, der Wendelgang mit fünf Kapellen sowie der gesamte östliche Teil des langen Chores fertig gestellt. Sein Nachfolger wurde der bedeutende deutsche Bildhauer und Dombaumeister Peter Parler aus Gmünd, der 1356 die Bauleitung am Veitsdom übernahm. Peter Parler, der neben diesem Bauwerk u. a. auch für den Bau der Karlsbrücke verantwortlich war, sollte bis zu seinem Tod im Jahre 1399 am Dom arbeiten. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Wenzel Parler und Johann Parler der Jüngere die Arbeiten, die wiederum 1418 von Meister Petrlík abgelöst wurden. In dieser Zeit wurden der Chor mit seinen Kapellen und weite Teile des Südturms fertig gestellt.

Ab 1520 unterbrachen die Hussitenkriegen die Bautätigkeiten. Für die Hussiten war St.-Veits-Dom ein Sinnbild des dekadenten Katholizismus. Sie zerstörten die Inneneinrichtung und einige Plastiken der Kathedrale. Die Reparaturen und Weiterbau ging danach nur schleppend voran, zumal der große Brand von 1541 noch für weitere Zerstörungen am Dom sorgten. Doch gab es im 16. Jahrhundert auch posititive Nachrichten zu verkünden: die Spitze des heutigen Südturms wurde im Renaissance-Stil fertig gestellt.

Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb die Lage des Dom-Torsos auf der Prager Burg schwierig: erst erfolgte eine Plünderung durch Protestanten, danach wurde sie für kurze Zeit zu einer calvinistischen Pfarrkirche umfunktioniert. 1757 kam es zu Beschädigungen durch Beschuss preußischer Truppen und 1760 auch noch zu Schädigungen durch einen Blitzschlag.

Um diesem Zustand eine Ende zu bereiten gründete sich im Jahre 1859 der Prager Dombauverein, der auch 1861 die Vollendung des Doms initiierte. Interessant ist dabei, dass man dabei auf die alten Pläne Peter Parlers zurück griff. Zum Baumeister wurde Joseph Kranner, ein Vertreter der Neogotik, ernannt, der dann 1873 durch Josef Mocker abgelöst wurde. Seine Entwürfe waren nicht unumstritten, er setzte sich aber mit seiner Vorstellung der Errichtung der heutigen Westfassade mit seinen zwei Türmen durch. Zur Vollendung brachte den Bau im Jahre 1929 Kamil Hilbert, der die Nachfolge Mockers antrat. 

Zum tausendjährigen Todestag des Hl. Wenzel konnte der gotische Dom nach einer nahezu 600-jährigen wechselvollen Baugeschichte am 29. September 1929 eingeweiht werden.

Plan des Innenbereichs des Veitsdoms:

Grafik Zahl 1

Rosette am Eingangstor

Wenn man das harmonische Ineinander des äußeren Erscheinungsbildes des St.-Veits-Doms betrachtet, kann man sich heute kaum mehr vorstellen, dass die einzelnen Bereiche vom Alter her fast 600 Jahre auseinander liegen. So ist die jetzige neugotische Westfassade mit dem heutigen Eingangstor für Besucher neueren Datums und geht auf Pläne von Josef Mocker zurück, der die Bauleitung 1873 übernahm. Ein Blickfang ist dabei die Rosette oberhalb der Eingangstore, die von František Kysela gestaltet wurde und die Erschaffung der Welt zeigt. Ihr Durchmesser beträgt 10 Meter und sie wurde aus 27.000 Einzelteilen gefertigt.

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Grafik Zahl 2

Jugendstil-Glasfenster von Alfons Mucha

Es gibt viele schöne Glasfenster im Dom. Das bekannteste dürfte von dem Maler und Illustrator Alfons Mucha stammen, der einer der bedeutendsten Protagonisten des Jugendstils in Prag war und dessen Motive auch heute noch auf unzähligen Postkarten abgebildet werden.

Das Glasfenster befindet sich in der dritten Kapelle der Nordseite und die Bildfolge des Fensters stellt Szenen aus dem Leben der Brüder Kyrill und Method dar, die ihr Leben der christlichen Missionierung slawischer Völker gewidmet haben.

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Grafik Zahl 3

Orgelempore und Chorkapelle

Während im Jahre 1929 das jahrhundertealte äußerliche Provisorium des Doms feierlich beendet wurde, schlummert im Inneren noch eine weiteres: die Orgel im Seitenchor. Sie sitzt unterhalb der äußerlich imposanten Barockorgel von 1765, die aber nur noch aus dekorativen Gründen verblieben ist. Das dazugehörige Werk wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entfernt und gilt als verloren. Die als Provisorium angebrachte Orgel darunter im neoklassizistischen Stil besitzt nur drei Manuale und etwa 60 Register. Das reicht nicht aus um den gesamten Dom mit einem Raum füllenden Klang zu beschallen.

Geplant war eine große Orgel über dem Haupteingang, doch fehlende finanzielle Mittel verhinderten seit Jahrzehnten den Bau. Es gab zwar immer wieder Pläne für den Bau einer neuen Orgel, doch ohne Erfolg. Jetzt ist aber für die nahe Zukunft ein neues Instrument für den Dom in Auftrag gegeben worden. Seine Fertigstellung ist für das Jahr 2020 geplant. Das neue Instrument soll dann mit den großen Kirchenorgeln dieser Welt konkurrieren können.

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Grafik Zahl 4

Habsburger Mausoleum

Grafik Zahl 5

Reliquienaltar des hl. Nepomuk

Eines der bedeutendsten Kunstwerke des Chorumgangs stellt der silberne Reliquienaltar des hl. Johannes von Nepomuk dar. Der Altar wurde anlässlich der Kanonisation des Brückenheiligen im Jahre 1733 von dem bekannten österreichischen Architekten J. E. Fischer von Erlach als Entwurf angefertigt. Nach dieser Vorlage schuf der Wiener Bildhauer Antonio Corradini ein Holzmodell, dass dann zwischen 1733 und 1736 von dem Wiener Goldschmied Johann Joseph Würth als Silbergrabmahl gegossen wurde. Später stiftete Kaiserin Maria Theresia noch den roten Baldachin, der von vier Engeln gehalten wird.

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Grafik Zahl 6

Maria-Magdalena-Kapelle

In dieser Kapelle befindet sich die Grabplatten der ersten Baumeister des Doms, Matthias von Arras und die seines Nachfolgers Peter Parler. In einem Holzrelief gegenüber der Platten wird die Verwüstung des Doms durch aufgebrachte Calvinisten im Jahre 1619 dargestellt.

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Grafik Zahl 7

Vaclavsches Oratorium

Das Wladislaw-Oratorium ist eine Empore, zu der in früheren Zeiten die Königsfamilie auf direktem Wege über einen überdachten Gang vom Königspalast gelangen konnten. Der spätgotische Bau wurde Ende des 15. Jahrhunderts von dem Frankfurter Hans Spieß nach Plänen von Benedikt Ried umgesetzt.

Die Empore selber besteht aus zwei gekreuzten Bogen, deren Frontseite mit raffiniert angeordneten vegetabilen Formen ausstaffiert ist. An den Pfeilern erkennt man eine Darstellung von Bergleuten.

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Grafik Zahl 8

Königsgruft

Neben dem Wladislaw-Oratorium führt eine Treppe herab zur Königsgruft. Während man auf den Weg dorthin noch uralte Bauelemente der Vorgängerbauten passiert, ist die Gruft selber nüchtern ausstaffiert. An der Wand ist zur Orientierung ein Grundriss der alten romanischen Kirche angebracht, die sich an dieser Stelle befand. Hier befinden sich u. a. die Grabstätten von Wenzel IV., Rudolf II. oder Karl IV., zusammen mit seinen vier Frauen. Die Räumlichkeiten, in denen sich die Gräber befinden, wurden in den Jahren von 1928 - 1935 neu gestaltet.

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Grafik Zahl 9

Wenzelskapelle

Die Wenzelskapelle ist die schönste Chorkapelle im Dom. Mit viel Aufwand und Prunk wurde sie von Peter Parler von 1358 - 1367 an die Stelle des ursprünglichen romanischen Rundbaus errichtet. Sie ist der Aufbewahrungsort des hl. Wenzels, Schutzpatron der Böhmen. Die Kapelle enthält den Reliquienschrein des 935 von seinem Bruder Boleslav I. ermordeten Herzogs.

Die Kapelle ist im unteren Teil mit ca. 1300 Halbedelsteinen ausstaffiert, die mit unzähligen Goldplättchen eingerahmt wurden. Dieser Bereich findet in dem gemalten Sternenhimmel seine Entsprechung an der Decke. Die Wandgemälde der unteren Reihe bilden den Passionszyklus ab und sind Prager Künstler Meister Oswald erstellt worden, die obere Reihe dagegen stammt aus der Werkstatt des Meisters des Altars von Leitmeritz und stellt Szenen der Wenzelslegende dar. In der Mitte befindet sich die Statue des Heiligen. Sie ist ca. 2 Meter hoch und stammt wahrscheinlich von Heinrich Parler, dem Neffen Peter Parlers. Auffallend ist hier die hohe künstlerische Meisterschaft des Werkes, die u. a. in dem entrückten Blick des Heiligen zum Ausdruck kommt.

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Grafik Zahl 10

Goldene Pforte

Das dreiteilige Tor wurde 1367 von Peter Parler gebaut und diente über Jahrhunderte als festlicher Eingang des Doms. Durch sie schritten auch die Könige am Ende des sog. Königswegs, der Teil des Krönungszeremoniells war und von der Altstadt über die Karlsbrücke hoch auf den Hradschin führte.

Über den Spitzbögen ist ein berühmtes Glasmosaik angebracht, dass von venezianischen Kunsthandwerkern im Auftrag Kaiser Karl IV. erstellt wurde. Sie stellt das Jüngste Gericht dar. In der Mitte wird Christus in einer Mandorla als Weltenerrichter dargestellt, während zu seiner Linken die Verdammten und recht von ihm die Erlösten gezeigt werden. Das Mosaik wurde zuletzt von 1992 - 2001 durch das Getty Conservation Institute aus Los Angeles in einem sehr aufwendigen Verfahren restauriert.

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Grafik Zahl 11

Südturm

Historisch viel älter als die beiden Zwillingstürme der Westfassade ist der Südturm, der mit 99 Metern Höhe imposante Ausmaße besitzt. Der Turm mit seiner markanten Haube im Stil der Renaissance ist auch Träger der 13,5 Tonnen scheren Glocke des Doms. 

Tipp: In den Sommermonaten kann man den Turm besteigen. Aber Achtung: die Besichtigung ist nicht in den normalen Burgtickets enthalten und die 300 Stufen sind nicht für jeden geeignet. Wer aber oben angelangt ist, wird für seine Mühe mit einem großartigen Blick über die Stadt belohnt.

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Öffnungszeiten:

Anlage der Prager Burg: 6-22 Uhr
Objekte mit Eintritt: 9-17 Uhr (Winter: 9-16 Uhr)
Burggärten: 10-18 Uhr (Winter geschlossen)
St. Veitsdom: Wochentags: 9-17 Uhr (Winter 9-16 Uhr), Sonntag: 12-17 Uhr (Winter: 12-16 Uhr)

Zugang / Eintritt:

Besichtigungsroute A (inkl. Eintritt für Veitsdom, Alter Königspalast, Ausstellung "Geschichte der Prager Burg", St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka-Turm, Rosenberg Palais):  Normalpreis 350 Kč, ermäßigt 175 Kč, Familienticket 700 Kč.

Besichtigungsroute B (inkl. Eintritt für Veitsdom, Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka-Turm):  Normalpreis 250 Kč, ermäßigt 125 Kč, Familienticket 500 Kč.

Besichtigungsroute C (inkl. Eintritt für Ausstellung der St.-Veits-Schatz und Bildergalerie der Prager Burg):  Normalpreis 350 Kč, ermäßigt 175 Kč, Familienticket 700 Kč. 

Besichtigungsroute B ist Bestandteil der Prag-Card »

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