Avigdor Kara - ein mittelalterlicher Gelehrter

Ein Leben im Zeichen des Progroms

Rabbi Avigdor Kara ist in der Geschichte des Ghettos der einzige bekannte Gelehrte des Mittelalters, von dem man mehr weiß als seinen Namen. Er starb im Jahre 1439 und sein Grabmal befindet sich auf dem Alten Jüdischen Friedhof. Leider ist der Teil des Friedhofs nicht mehr begehbar . Es ist das älteste erhaltene Grab auf dem Friedhof, wenn gleich der originale Grabstein, der sich im Jüdischen Museum befindet, durch eine Kopie ersetzt wurde. Wie man der Grabinschrift entnehmen kann, war Kara ein Mann "der Verständnis für das liebliche Lied hatte, der viele und auch einzelne die Kenntnis der Thora lehrte und der bewandert war in der Wissenschaft, in allen Büchern der Weisheit und den Büchern der Schrift". In Erinnerung blieb aber vor allem seine Elegie "Selicha", ein erschütterndes Zeugnis des Pogroms von 1389. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Kara als Kind selbst Zeuge des Vorfalls wurde und miterleben musste wie man seinen Vater, den Rabbiner Jizchak Kara, dabei ermordete. Es wird bis heute als Gebet am Jom Kippur (Versöhnungstag) gelesen und beginnt mit den Worten: "Wer schildert das Leid, das uns geschah". Und weiter heißt es:

"Viele wurden erschlagen, wer kennt Ihre Zahl,
Jünglinge und Mädchen, Alte und Säuglinge.
Dir, Herr aller Seelen, muss ich sie nicht ins Gedächtnis rufen,
Du wirst alle richten, alle wirst Du durchleuchten.
....
Sie zerstörten auch den Friedhof, den Ort der ewigen Freiheit,
wo die Gebeine meiner großen Vorfahren ruhen.
Sie gruben diese meine Schätze aus,
sie zertrümmerten voll Wut die Grabmäler,
um meinen Stolz zu demütigen.
Wie lange noch, o Herr, ist es denn noch nicht genug?!

Milada Vilimkova bezeichnet Kara sogar als letzten synagogalen Poeten des Mittelalters. Rabbi Avigdor Kara war um 1510 Mitglied des Prager rabbinischen Gerichtshofs und Verfasser religiöser Texte. So schrieb er Erläuterungen zum Pentateuch und das Buch Eben Sapir (Der Saphir), das aber nur noch in Bruchstücken erhalten ist und allegorische Auslegungen der Bibel zum Inhalt hat. Der Rabbiner Jakob Möln berichtet, dass Rabbi Kara so angesehen war, dass er selbst mit König Wenzel IV. über religiöse Themen diskutieren durfte.

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