Persönlichkeiten des Prager Judenviertels

Übersicht

Im Prager Ghetto lebte eine große Anzahl bedeutender Persönlichkeiten, die als Schriftgelehrte, Ärzte, Wissenschaftler oder Mäzenen einen über die engen Grenzen der Ummauerung hinausreichenden Ruf besaßen und einen weitreichenden Einfluss erlangten. Auf geistigem Gebiete standen sicherlich die Rabbiner im Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde. Neben ihrer alltäglichen Funktion als Prediger, waren viele von ihnen auch bedeutende Schriftgelehrte, die Werke im Bereich der Theologie, der Pädagogik und der Philosophie verfasst haben. Der bekannteste unter ihnen ist Rabbi Löw, der in Verbindung mit der mystischen Golem-Sage in jedem Reiseführer und in der Literatur seinen festen Platz gefunden hat und dessen Grab auf dem Alten Jüdischen Friedhof zu den touristischen Attraktionen gehört. Doch wer weiß schon noch etwas über das Leben und Wirken des Mannes, der die meiste Zeit gar nicht in Prag gelebt hat und erst in den letzten zehn Jahre seines langen Lebens zum Rabbiner berufen wurde?

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Doch jenseits des mit Mythen und Sagen umkranzten Lebens des Rabbi Löw gab es eine ganze Anzahl wichtiger Größen, deren Wirken im Ghetto von damals sich zwar heute touristisch nicht mehr in diesem Ausmaß vermarkten lassen, aber in der Geschichte des Judenviertels genauso ihren unverrückbaren Platz einnehmen. Um nur einige zu nennen: Mordechai Maisl beispielsweise war ein bedeutender Mäzen und Bauherr des Ghettos, der auch die Kriege und viele Kostbarkeiten Rudolfs II. finanzierte. Oder der berühmte Historiker und Astronom David Gans, dessen Buch "Zemach David" (Der Spross David), "die zweifellos gelesenste Schrift in hebräischer Sprache mit weltlichem Inhalt" (Ctibor Rybar) ist. Auch Avigdor Kara soll nicht unerwähnt bleiben, dessen Elegie "Selicha" bis heute im Gottesdienst vorgetragen wird.