Denkmäler und Statuen der Kleinseite

Unterhalb der majestätischen Prager Burg, in den malerischen Gassen und prächtigen Palastgärten der Kleinseite, scheint die Zeit stillzustehen. Hier entfaltet sich eine Welt aus barocker Pracht, in der die steinernen Heiligen der Karlsbrücke von alten Legenden flüstern und kunstvolle Skulpturen in versteckten Gärten von einer aristokratischen Vergangenheit zeugen.

Doch diese historische Idylle wird immer wieder bewusst gebrochen. Gerade hier, inmitten der Postkarten-Schönheit, haben moderne Künstler ihre Bühne gefunden. Provokante Installationen fordern den Betrachter heraus, während eindringliche Mahnmale an die Brüche des 20. Jahrhunderts erinnern. Ein Spaziergang durch die Kleinseite ist eine faszinierende Reise zwischen den Epochen, bei der hinter jeder Ecke eine künstlerische Überraschung wartet.

Historische Denkmäler

Aufnahme Skulptur der Hl. Luitgard auf der Karlsbrücke

Statuengalerie der Karlsbrücke von diversen Künstlern (hauptsächlich 1683–1714)

Karlův most, 110 00 Praha 1

Die 30 Statuen und Statuengruppen, die die Brückenpfeiler säumen, bilden eine einzigartige Freiluftgalerie des Hochbarock. Geschaffen von Meistern wie Ferdinand Maximilian Brokoff und Matthias Bernhard Braun, stellen sie Heilige und Schutzpatrone dar. Die berühmteste ist die des Heiligen Johann von Nepomuk, deren Berührung Glück bringen soll. Heute stehen auf der Brücke überwiegend Kopien, während die wertvollen Originale im Lapidarium des Nationalmuseums geschützt werden.

Dreifaltigkeitssäule (Pestsäule)

Dreifaltigkeitssäule (Pestsäule) von Giovanni B. Alliprandi, J. O. Mayer & F. Geiger (1715)

Malostranské náměstí, 118 00 Praha 1

Dieses monumentale barocke Denkmal dominiert den Kleinseitner Ring und wurde aus Dankbarkeit für das Ende der Pestepidemie von 1713 errichtet. Die Säule ist reich mit Skulpturen verziert und wird von einer Figurengruppe der Heiligen Dreifaltigkeit gekrönt. Am Sockel befinden sich Darstellungen der böhmischen Schutzpatrone, darunter der Heilige Wenzel und der Heilige Adalbert. Sie ist ein herausragendes Beispiel für die Votivsäulen, die im Habsburgerreich nach überstandenen Katastrophen errichtet wurden.

Skulpturen im Wallenstein-Garten in Prag

Skulpturen im Wallenstein-Garten (Kopien nach Adriaen de Vries, Originale ca. 1625-26)

Valdštejnská zahrada, Letenská, 118 00 Praha 1

Der prachtvolle Barockgarten des Wallensteinpalais ist mit beeindruckenden Bronzeskulpturen bevölkert, die Figuren der griechischen Mythologie darstellen. Bei den heutigen Statuen handelt es sich um exakte Nachgüsse aus dem frühen 20. Jahrhundert, da die Originale des niederländischen Meisters Adriaen de Vries 1648 von schwedischen Truppen als Kriegsbeute geraubt wurden. Die dynamischen und muskulösen Figuren wie Herkules oder Venus sind Meisterwerke des Manierismus und prägen die elegante Atmosphäre des Gartens.

Skulpturen im Vrtba-Garten von Matthias Bernhard Braun & Werkstatt (ca. 1720)

Vrtbovská zahrada, Karmelitská 25, 118 00 Praha 1

Dieser terrassierte Barockgarten, ein UNESCO-Weltkulturerbe, beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung von Skulpturen aus der Werkstatt des berühmten Bildhauers Matthias Bernhard Braun. Die Statuen und Vasen stellen antike Götter und allegorische Figuren dar und sind perfekt in die Gartenarchitektur integriert. Sie markieren die Treppenaufgänge und Terrassen und schaffen zusammen mit der Gartenanlage ein theatralisches Gesamtkunstwerk. Die Kunstfertigkeit Brauns zeigt sich in den ausdrucksstarken Posen.

Moderne & zeitgenössische Skulpturen

Der geflügelte Löwe

Der geflügelte Löwe (Winged Lion Memorial) von Colin Spofforth (2014)

Klárov, 118 00 Praha 1

Dieses Denkmal ist den fast 2.500 tschechoslowakischen Piloten gewidmet, die während des Zweiten Weltkriegs in der britischen Royal Air Force (RAF) dienten. Die stolze, geflügelte Löwenstatue aus Bronze wurde vollständig durch Spenden der britischen Gemeinschaft in Tschechien finanziert. Sie ist ein spätes, aber wichtiges Zeichen der Anerkennung für diese Männer, deren Einsatz von den nachfolgenden kommunistischen Machthabern lange totgeschwiegen wurde.

Piss (Die Pinkler) von David Černý (2004)

Cihelná 2b, 118 00 Praha 1 (im Hof des Kafka-Museums)

Zwei bronzene Männerfiguren stehen sich gegenüber und urinieren in ein Wasserbecken in Form der Tschechischen Republik. Die Hüften der Figuren sind beweglich, und sie "schreiben" mit dem Wasserstrahl Zitate tschechischer Persönlichkeiten ins Wasser. Besucher können per SMS eigene Nachrichten an eine Nummer senden, welche die Figuren dann ebenfalls ins Wasser schreiben. Es ist eine humorvolle und zugleich provokante Auseinandersetzung mit nationaler Identität und Politik.

Denkmal für die Opfer des Kommunismus von Olbram Zoubek (2002)

Újezd, 118 00 Praha 1 (am Fuße des Petřín-Hügels)

Dieses eindringliche Mahnmal besteht aus einer Treppe, auf der sieben männliche Bronzefiguren stehen. Die vorderste Figur ist vollständig, während die folgenden zunehmend zerfallen und fragmentiert sind, was den physischen und psychischen Verfall politischer Gefangener unter dem kommunistischen Regime symbolisiert. Ein Metallstreifen, der sich über die Treppe zieht, gibt die geschätzte Anzahl der Opfer an. Das Denkmal ist eine kraftvolle und erschütternde Erinnerung an die Leiden während der totalitären Herrschaft.

Drei riesige, krabbelnde Babys aus Bronze befinden sich im Park neben dem Museum Kampa. Ihre Gesichter sind durch eine Art Barcode oder Lüftungsschlitz entmenschlicht, was eine beunruhigende und nachdenkliche Wirkung erzeugt. Sie sind identisch mit den Babys, die am Fernsehturm in Žižkov empor krabbeln. Die Skulpturen laden zum Klettern ein, werfen aber gleichzeitig Fragen zur Zukunft, Identität und Dehumanisierung in der modernen Welt auf.

Babies von David Černý (2008)

U Sovových mlýnů 2, 118 00 Praha 1 (am Museum Kampa)

Drei riesige, krabbelnde Babys aus Bronze befinden sich im Park neben dem Museum Kampa. Ihre Gesichter sind durch eine Art Barcode oder Lüftungsschlitz entmenschlicht, was eine beunruhigende und nachdenkliche Wirkung erzeugt. Sie sind identisch mit den Babys, die am Fernsehturm in Žižkov empor krabbeln. Die Skulpturen laden zum Klettern ein, werfen aber gleichzeitig Fragen zur Zukunft, Identität und Dehumanisierung in der modernen Welt auf.

Kůň (Rotes Pferd) von Jaroslav Róna

Kůň (Rotes Pferd) von Jaroslav Róna (2005)

U Sovových mlýnů, 118 00 Praha 1 (oft im Bereich des Kampa-Museums)

Diese monumentale rote Skulptur eines stilisierten Pferdes ist ein auffälliges Kunstwerk des bekannten tschechischen Künstlers Jaroslav Róna. Die Figur wirkt archaisch und modern zugleich, mit einem überproportional großen Körper und kräftigen Beinen, was ihr eine fast mythische Präsenz verleiht. Die leuchtend rote Farbe sorgt für einen starken Kontrast zur historischen Umgebung der Kleinseite und dem Grün des Kampa-Parks. Sie ist ein beliebtes Fotomotiv.

Bild Kubistische Poller in Prag

Kubistische Poller von Karel Nepraš (1993)

Malostranské náměstí 261/10, 118 00 Praha 1 (beim Palais Liechtenstein)

Vor dem Liechtenstein-Palais auf der Kleinseite stehen 27 gusseiserne Poller, die eine Hommage an den tschechischen Kubismus darstellen. Geschaffen vom bekannten Zeichner und Grafiker Karel Nepraš im Jahr 1993, zitieren sie die Formensprache der Vorkriegs-Avantgarde und übertragen sie in ein modernes Kunstwerk im öffentlichen Raum. Die Poller brechen mit der traditionellen runden Form und sind stattdessen aus scharfen Kanten und geometrischen Flächen komponiert, wodurch sie wie kleine, eigenständige Skulpturen wirken.