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Die Karlsbrücke

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Kurzinfos vom Prag-Guide

  • Die gotische Karlsbrücke ist mit der Prager Burg zusammen die bekannteste Sehenswürdigkeit von Prag.
  • Grundsteinlegung war schon 1357, die Vollendung zog sich bis ins 15. Jahrhundert hin.
  • Kaiser Karl IV. beauftragte mit dem Brückenbau den berühmten Baumeister Peter Parler.
  • Die Brücke ist 520 Meter lang, ca. 10 Meter breit und besitzt 16 Brückenbögen.
  • An beiden Enden geht man durch Brückentürme hindurch: auf Seiten der Alstadt steht der um 1380 fertiggestellte Altstädter Brückenturm und auf der Kleinseite die beiden Kleinseitner Türme. Der kleinere war ein Bestandteil der ursprünglichen Befestigungsanlage, während der größere 1464 vom König beauftragt wurde und als Pendant zum Altstädter Brückenturm gedacht war.
  • Die Brücke war bis 1836 und damit für ca. 500 Jahre der einzige Übergang über die Moldau.
  • Auf der Prager Karlsbrücke befinden sich 30 Brückenfiguren entlang der Brücke, denen eine große kunsthistorische Bedeutung zukommt.
  • Die früheste Figur auf der Brücke war die des hl. Nepomuk aus dem Jahre 1683 und die letzte, die man hier aufstellte die Gruppe der hll. Cyrill und Method von 1938. 
  • Die Mehrzahl der Plastiken wurden während der Barockzeit (zwischen 1706 bis 1714) aufgrund der Initiative der Jesuiten aufgestellt. Die Brückenheiligen sollten den katholischen Glauben stärken.

Adresse und Route per Google-Maps:

Karlův most, 110 00 Praha 1

Wegbeschreibung:
Die Karlsbrücke geht über die Moldau und verbindet die Altstadt (Staré Mesto) mit der Kleinseite (Malá Strana). Kommt man vom Altstädter Ring her, geht man an der Rathausuhr zum kleinen Ring durch, überquert diesen und folgt dann geradeaus der engen und meist überfüllten Straße, der zum ehemaligen Krönungsweg gehört. Dort ist dann der weitere Weg zur Karlsbrücke (Karlův most) ausgeschildert.

Route zur Karlsbrücke per Google-Maps »


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Die Karlsbrücke im Detail

Zur Baugeschichte

Die Karlsbrücke ist die wohl meistbesuchte Sehenswürdigkeit von Prag. Es gibt kaum einen Besucher dieser Stadt, der nicht den schönsten Moldau-Übergang nutzt, der seit jeher die Altstadt mit der Kleinseite verbindet. Doch wenn der Frühling oder der Sommer Einzug in die Goldene Stadt hält, kann das Gedränge, das von Touristen, Andenkenverkäufern, Straßenmalern oder Musikanten ausgeht, auf dieser Brücke schon beängstigende Ausmaße annehmen. Wer die Romantik dieses Ortes kennenlernen will, macht sich am besten in den frühen Morgenstunden auf den Weg.

Im Jahre 1118 wird das erste Mal eine Brücke in den Dokumenten erwähnt. Es ist da von einer hölzernen Überführung die Rede, die aber schon 1157 einstürzte. Darum ließ König Vladislav II. nur ein Jahr später ca. 200 Meter entfernt eine steinerne Brücke errichten, die er nach seiner Gattin benannte und von da an Judithbrücke hieß. Im Jahre 1342 kam es durch Hochwasser zu so starken Beschädigungen, dass man sich für 15 Jahren mit einem hölzernen Provisorium behalf bis Kaiser Karl IV. den Bau einer neuen Steinbrücke anordnete. Damit beauftragt wurde übrigens nicht, wie in verschiedenen Reiseführern zu lesen ist, der berühmte Baumeister Peter Parler, sondern der Prager Jan Ortlin. Der Grundstein wurde exakt am 9. Juli 1357 um 5.31 Uhr gelegt. Im Mittelalter vertraute man einer Zahlenmystik und die Reihenfolge 1-3-5-7-9-7-5-3-1 entsprach einer gottgewollten Ordnung, die dem Bauwerk den Beistand von oben sichern sollte.

Doch die Vollendung des gotischen Meisterwerks zog sich bis ins 15. Jahrhundert hinein. Die von 16 Bogen gehaltene Brücke ist insgesamt 520 Meter lang und 10 Meter breit. Ihr S-förmiger Verlauf ist auf die Weiterverwendung alter Brückenköpfe der Judithbrücke zurückzuführen, neben die man die neuen setzte.  An ihren jeweiligen Enden stehen auf der Kleinseite die Kleinseitner Türme und in Richtung Altstadt der Altstädter Brückenturm, die in früheren Jahrhunderten der Verteidigung dienten. Die große Bedeutung der Karlsbrücke erkennt man schon allein darin, dass sie bis ins Jahr 1836 der einzige Übergang über die Moldau war. 

In seiner langen Geschichte richtete das regelmäßig über die Moldauufer tretende Hochwasser immer wieder auch beträchtliche Schäden an der Karlsbrücke an ohne sie aber komplett zum Einstürzen zu bringen. Bei einem Hochwasserübertritt 1890 beispielsweise brachen drei Bögen komplett ein. Unter den sensationslüsternen Zuschauern damals war übrigens wohl auch die Familie Kafka.

Seinen heutigen Namen Karlsbrücke erhielt diese touristische Attraktion erst im Jahre 1870. Zuvor hieß die Brücke einfach nur Steinbrücke (Kamenný Most).

Normaler Straßenverkehr auf der Karlsbrücke

Man kann es sich in dem heutigen Menschengedränge gar nicht mehr vorstellen, dass bis zum ersten Weltkrieg noch die Straßenbahn über die Brücke fuhr und bis in die 60er-Jahre hinein war sie für den Autoverkehr freigegeben. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten, die von Mitte der 60er-Jahre bis 1978 andauerten, durften keine Fahrzeuge mehr über die Brücke fahren. Vor allem das im Winter eingsetzte Streusalz griff die Substanz der Brücke zu stark an.

Am Hand historischer Photographien kann man die damalige Nutzung durch Fahrzeuge gut erkennen: Auf dem ersten, das um 1900 entstand, fährt ein Fuhrwerk. Für Fußgänger blieb auf beiden Seiten der Brücke nur ein schmaler Fußgängerweg. Das zweite Bild stammt aus dem Jahre 1939 und zeigt einen Sportwagen auf der Karlsbrücke.

Die Brückentürme

Der Altstädter Brückenturm

Wer von der Altstadt kommend auf den Altstädter Brückenturm zugeht, durchquert zuvor den Kreuzherrenplatz, der mit seinen Barockbauten "zu den malerischsten Plätzen in Europa" gehört. Der Altstädter Brückenturm war ein Prestigeobjekt von Kaiser Karl IV., der mit diesem Bauwerk ein eindrucksvolles Zeichen seiner Macht setzen wollte. Darum wurde auch kein Geringerer als der berühmte Baumeister Peter Parler mit der Umsetzung des Werkes betraut. Die Fertigstellung des Baus stellt sicherlich einen Höhepunkt im Schaffen des Baumeisters dar und gilt in heutiger Zeit als einer der schönsten Türme Mitteleuropas. Man begann den Bau des Turmes gleichzeitig mit der Brücke im Jahre 1357.

Über die Fertigstellung gibt es in der Fachliteratur unterschiedliche Angaben: von 1380 ist genauso die Rede wie von einem Bauende, das sich bis in das 15. Jahrhundert hinzog. Durch schwedisches Bombardement im Jahre 1648 verlor der Turm seine Plastiken an der Westfassade. In den Jahren 1874-78 wurde auch der Altstädter Brückenturm einer grundlegenden Renovierung durch den Architekten Josef Mocker unterzogen.

Die Schmuckfassade der Ostseite

Von großer künstlerischer Bedeutung ist die Schmuckfassade der Ostseite des Brückenturms. In der ersten Etage erkennt man drei Herrscherfiguren: in der Mitte (und etwas höher als die beiden anderen Figuren) steht der hl. Veit, links von ihm Kaiser Karl IV. und rechts von der Mitte sein junger Sohn Wenzel IV. Mit viel Liebe zum Detail wurden diese Plastiken gestaltet. So kann man beispielsweise an der Figur des gealterten Kaisers seine gekrümmte Haltung ersehen, die auf eine Wirbelsäulenverletzung zurückzuführen ist, die sich der Kaiser bei einem Turnier zuzog und die man später bei der Analyse des Skeletts bestätigt fand.

Die Kleinseitner Türme der Karlsbrücke

Die Kleinseitner Türme waren ursprünglich Teil der Befestigungsanlagen im 12. Jahrhundert. War Gefahr im Verzug, ließ man am damals noch viel mächtigeren Tor ein schweres Eisengitter herab, das Schutz vor den herannahenden Feinden bot. Da die Kleinseite der Vorburg zugerechnet wurde, flankierten den Brückeneingang einst zwei Festungen. Im Bereich des niedrigen Turms befand sich das Kloster des Malteser Johanniterordens und gegenüber - und damit auf Höhe des größeren Turms - war der Sitz des Prager Erzbischofs, dessen Anlage auch einer Festung gleichkam.

Der niedrigere der beiden Türme ist das älteste Bauwerk der Karlsbrücke. Zwar wurde er erst 1591 grundlegend im Renaissancestil umgebaut, doch sind die Fundamente des ursprünglichen Turms erhalten geblieben und stammen noch aus der Zeit der Judithbrücke. Der höhere Turm wurde von König Jiri z Podebrad 1464 in Auftrag gegeben und war als Pendant zum Altstädter Turm gedacht. Er ersetzte einen älteren Turm, der an dieser Stelle stand. Eigentümlicherweise ist dieser jüngste Brückenturm der Karlsbrücke nie ganz fertig gestellt worden. Davon zeugen beispielsweise die leeren Nischen, die für Statuen vorgesehen waren. In den Jahren 1879-1883 wurden die Brückentürme durch Josef Mocker noch einmal grundlegend renoviert.

Die Statuen der Prager Karlsbrücke

Zur Geschichte der Statuen

Die Karlsbrücke ist vor allem wegen seiner Brückenfiguren berühmt geworden. Entlang der Brücke reihen sich 30 Statuen aneinander, die von den bekanntesten Bildhauern ihrer Zeit erstellt wurden. Den Anfang machte die Figur des hl. Nepomuk, die 1683 aufgestellt wurde und den vorläufigen Schlußpunkt bildete die Gruppe des hll. Cyrill und Method, die erst 1938 ihren Platz auf der Brücke fand. Ein Großteil der Figuren wurde während der Barockzeit, genau: in den Jahren von 1706 bis 1714, aufgestellt.

Inzwischen sind aufgrund ungünstiger Umwelteinflüße viele der ursprünglichen Plastiken durch Kopien ausgetauscht worden. Wer aber mag, kann sich die Originale im Lapidarium des Nationalmuseums ansehen. Doch mindert das keineswegs den Reiz, der von diesem einmaligem Skulpturen-Ensemble ausgeht.

Die Listung der Statuen geht vom Altstädter Brückenturm in Richtung Kleinseitner Brückentürme. Start ist die erste Figur rechts.

Zu weiteren Informationen der jeweiligen Statue bitte auf das Pluszeichen tippen oder klicken.

Figurenpaar

Madonna mit hl. Bernhard

Erstellung: Matthias Wenzel Jäckel, 1709.

In der MItte der Komposition erkennt man Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Zu ihrer Linken kniet der heilige Bernhard, der als Bernhard von Clairvaux berühmt wurde. Rechts von ihr sind die Marterwerkzeuge der Kreuzigung angehäuft: das Kreuz, der Schwamm, die Lanze, die Jesus die Hüfte durchbohrt, sowie das Tuch, das neben seinem Antlitz als Symbol einen Hahn zeigt, der als Zeichen des Verrats gilt. Da Bernhard als Marienverehrer galt, wird er oft mit ihr zusammen dargestellt.

Bernhard von Clairveaux, der einer adligen Familie entstammte und um 1090 in Fontaines-les-Dijon geboren wurde, war ein maßgeblicher Klostergründer, der auch großen Einfluß auf die Politik seiner Zeit hatte. Man nannte ihn den "ungekrönten Papst und Kaiser des Jahrhunderts" und seine Zeit das "Bernhardinische Zeitalter". Bernhard, der selbst 1112 in das Reformkloster Citeaux eintrat, wurde 1115 zum Vorsteher der Abtei gewählt. Von hier aus wirkte er an der Gründung von 68 weiteren Klöstern mit, eine Zahl die bis zu seinem Tod auf 343 anwuchs. 1118 wurde er der Leiter des Zisterzienserordens. Bernhard besaß eine hinreißende Redebegabung und gilt als einer der geistigen Väter der Kreuzzüge, für die er sich vehement einsetzte. Deshalb traf ihn das Scheitern dieser Unternehmungen ganz besonders. Am 20. August 1153 starb er.

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Der hl. Ivo

Erstellung: Matthias Wenzel Jäckel, 1709.

Der heilige Ivo lebte von 1253 bis 1303 und stammte aus der Bretagne. Er studierte  Rechtswissenschaften in Paris, weshalb die Figur auch ein Doktorbarett auf dem Kopf trägt. Im Jahre 1284 wurde er zum Priester geweiht und lebte als Pfarrer in verschiedenen Dörfern. Später zog er sich auf das Gut seiner Eltern zurück und setzte sich selbstlos für die Armen und Angeklagten vor weltlichen Gerichten ein. Dadurch erhielt er den Ehrentitel "Advokat der Armen".

Im Jahre 1347 wurde er von Papst Clemens VI. heilig gesprochen.

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Figurenpaar

Madonna mit hl. Dominikus & Thomas v. Aquin

Erstellung: Matthias Wenzel Jäckel, 1708.

Das Figurenensemble, das die Rosenkranzstatue genannt wird, zeigt in der Mitte und erhöht die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Auf der linken Seite sieht man den berühmtesten Philosophen des Mittelalters, den 1225 in Roccasecca geborenen und 1274 in Fossanova gestorbenen Thomas v. Aquin, wie er gerade mit aufgeschlagenem Buch in der Hand zu dem Jesuskind spricht. Damit wird auch die intensive Beschäftigung des Philosophen mit der Gestalt Jesus und seiner Bedeutung für die Eucharistie symbolisiert.

Rechts von ihr sieht der hl. Dominikus zu ihr hoch, der einer Legende nach von Maria in das Rosenkranzgebet eingewiesen wurde und sich zu dessen Verbreitung verpflichtete. Dominikus, 1170 in der kastilischen Ortschaft Caleruega geboren, wurde später der Gründer des Dominikanerordens, dem auch Thomas v. Aquin beitrat. Der Orden erlangte später eine führende Rolle bei der Inquisition und Hexenverfolgung. Man nannte die Dominikaner auch "domini canes" (Hunde des Herrn). Dominikus starb am 6. August 1221 in Bologna.

Unterhalb der Figur der Jungfrau Maria erkennt man eine in Wolken gehüllte Erdkugel sowie einen Hund mit brennendem Kienspan im Maul. Die Flamme ist ein Symbol des Dominikanerordens.

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Hll. Barbara, Margarete & Elisabeth

Erstellung: Ferdinand Max Brockhoff, 1707.

In der Mitte dieser Statuengruppe sieht man die heilige Barbara, rechts von ihr die heilige Margarete und links die heilige Elisabeth. Das Muster der Dreiheit findet sich übrigens auf vielen Darstellungen des Mittelalters und frühen Neuzeit. Alle drei Frauen waren christliche Märtyrerinenn, die sich ihrem Glauben bedingungslos hingaben und dafür mit dem Leben bezahlten. Während Barbara von Nikomedien und Margareta von Antiocha im 3. und 4. Jahrhundert lebten, wurde Elisabeth von Thüringen 1207 in Pressburg geboren und starb am 17. November 1231 in Marburg. Das Andenken der Tochter des ungarischen Königs Andreas II. wird auch heute noch, vor allem als Patronin von Thüringen und Hessen, regelmäßig gefeiert. So kam es im Jahre 1981 anläßlich ihres 750. Todestags Elisabeths zu einer ersten Massenversammlung in Erfurt, bei der sich bis zu 50.000 gläubige Katholiken auf dem Platz unterhalb des Erfurter Domes versammelten. Das Datum gilt als der erste - inoffizielle - Katholikentag in der DDR.

In der Mitte des Sockel steht die lateinische Inschrift: ORATE PRO NOBIS NVNC ET IN HORA MORTIS (Betet für uns nun und in der Stunde des Todes).

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Figurenpaar

Kruzifixus

Erstellung: W. E. Brohm, 1657.
Figuren: Emanuel Max, 1861.

Das Kruzifix war nach der Fertigstellung der Karlsbrücke für Jahrhunderte der einzigste Brückenschmuck. Der Legende nach haben die Hussiten das Zeichen im Jahre 1419 zerstört. Erst im Jahre 1436 wurde ein neues Andachtskreuz aufgestellt.

Das Kreuz in seiner heutigen Form ist ein vergoldeter Bronzekorpus in Lebensgröße mit einem Eisenkreuz. Die Christusstatue war ursprünglich für eine Dresdner Brücke vorgesehen. Der Prager Magistrat kaufte sie bei den Kaufleuten Hyllinger ein und ließ sie im Jahre 1657 aufstellen. Das ursprüngliche Holzkreuz, das natürlich des öfteren Opfer der Witterungsverhältnisse wurde, tauschte man 1706 gegen ein Eisenkreuz aus. Die ursprünglichen Bleistatuen, die das Kruzifix flankieren, wurden im Jahre 1861 von den heutigen Sandsteinstatuen ersetzt. Sie stellen die Gottesmutter und den Johannes dar.

Die vergoldeten Buchstaben, die das Kruzifix umranden, kamen erst Ende des 17. Jahrhunderts dazu und bedeuten: "Heilig, heilig, heilig der Herr". Das war eine direkte Replik auf die vermeintliche Verspottung durch einen Juden, der zur Strafe die in hebräisch gehaltene Inschrift zu bezahlen hatte.

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Pietá

Erstellung: E. Max, 1859.

Die Pietà wird in der abendländischen Kunst auch Vesperbild genannt und ist eine weitverbreitete Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Dabei liegt der Leichnam Jesu immer in Marias Schoß. Zu den bekanntesten Beispielen einer Darstellung der Pietà zählt Michelangelos Werk im Petersdom.

Bei der Pietà auf der Karlsbrücke sieht man in der Mitte der Dreiheit Johannes den Evangelisten, seine Mutter Maria, die den Kopf des toten Christus hält, und neben ihr kniet Maria Magdalena.

Die Inschrift lautet: O vos omnes, qui transitis per viam, attendite et videte si est dolor sicut dolor meus (Oh, ihr alle, die ihr hier eingeht, steht eine Weile still und sehet, ob der Schmerz meinem Schmerz gleicht).

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Figurenpaar

Hl. Anna mit Jesuskind

Erstellung: Matthias Wenzel Jäckel, 1708.

Die Heilige Anna ist die Mutter der Jungfrau Maria, die zu ihr aufschauend, an ihrer Seite zu sehen ist. Auf den Arm trägt sie das Jesuskind. Die Statuengruppe zeigt eine in der bildenden Kunst häufig anzutreffende Komposition. Da der Legende nach seine Großmutter noch vor der Geburt Jesu starb, stellt das Motiv eine symbolische Zeitfolge dar, die in dieser Form als "selbdritt" bezeichnet wird, also Teil einer Dreiergruppe darstellt, die Jesus Christus, seine Großmutter Anna und deren Tochter Maria in einem Motiv vereint. Darum wird die Statuengruppe auf der Karlsbrücke auch "Heilige Anna selbdritt" genannt.

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Hl. Josef

Erstellung: J. Max, 1854.

Nachdem die ursprüngliche Statue, die aus der Werkstatt Johann Brockdorffs (1706) stammte, in Kämpfen des Jahres 1848 stark beschädigt wurde, erschuf Josef Max diese Statue im Jahre 1854 neu.

Die Plastik zeigt Josef von Nazareth, den - wie es im katholischem Schrifttum so schön heißt - "Nährvater" von Jesus Christus, der an seiner Seite abgebildet ist. Im linken Arm hält er einen Stab mit Lilienblüten, ein typisches Motiv, das häufig in Zusammenhang mit der Darstellung Josefs genutzt wird. Es symbolisiert seine Reinheit und Keuschheit.

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Figurenpaar

Hll. Cyrill & Method

Erstellung: Karel Dvořák, 1938.

Die Darstellung des Brüderpaars Cyrill und Method ist die jüngste Plastik der Karlsbrücke und ersetzte die Statuengruppe des hl. Ignatius von Loyola, die ursprünglich an diesem Platz stand und heute im Lapidarium des Städtischen Museums besichtigt werden kann. Cyrill und Method wurden im 9. Jahrhundert in der makedonischen Stadt Saloniki geboren. Die begabten Brüder entwickelten besondere Lettern, mit deren Hilfen man es besser verstand die slawischen Laute nachzubilden. Man nannte diese Schriftzeichen nach Cyrillus fortan Kyrillika. Auch brachten sie als Missonare das Christentum in die slawischen Länder. Ihnen lag vor allem daran den Glauben in einer verständlichen Sprache zu predigen. Damit machten sie sich nicht nur Freunde. Vor allem deutsche Priester zeigten das Brüderpaar immer wieder in Rom an. Das führte so weit, dass Method auch einmal im Kerker landete. Dennoch liessen sich beide in ihrem Tun nicht beeirren. Vor allem Method betrieb die Christianisierung sehr erfolgreich, nachdem sein Bruder früh mit 42 Jahren im Jahre 869 in Rom als einfacher Mönch starb. Method wurde schließlich zum Erzbischof von Panonien und Mähren ernannt und starb am 6. April 885, nachdem es ihm vorher noch gelang den böhmischen Herrscher Borivoj und seine Gemahlin Ludmilla zum Christentum zu bekehren.

Die erste demokratische Regierung der Tschechoslowakei setzte mit der Aufstellung der Plastik dieses slawischen Missionarspaar bewußt einen Gegenpol zu Johannes Nepomuk und versicherte sich gerade im Jahr 1938, als die Bedrohung durch das Nazi-Deutschland seinen Höhepunkt erreicht hatte, seines eigenen slawischen Ursprungs.

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Hl. Franziskus Xaverius

Erstellung: F. M. Brokoff, 1711.

Die Figur des hl. Franziskus Xaverius gilt als eines der bedeutendsten Werke der böhmischen Bildhauerei im Barock. Sie stellt den Mitbegründer des Jesuitenordens dar, der von vier missionierten Heidenfürsten umgeben wird. Da die Originalplastik bei dem Hochwasser von 1890 stark beschädigt wurde, ist sie 1913 von einer Kopie ersetzt worden.

Es lohnt sich vor dieser Plastik etwas länger zu verweilen um die sehr feingliedrig getroffene Verinnerlichung des Heiligen, aber auch die überaus realistisch gezeichneten Züge der bekehrten Heiden zu studieren.

Originell ist auch das im Prager Barock so beliebte Atlantenmotiv, das die missionierten Völkerschaften darstellt, die jene schwere Platte für die Hauptprotagonisten tragen. Man sieht hier einen Chinesen, einen Tartaren, einen Inder und einen dunkelhäutigen Träger, offensichtlich afrikanischer Provenienz. An dieser Statuengruppe läßt sich auch sehr gut die christliche Hybris jener Zeit studieren, die fremde Völker wie selbstverständlich in Kategorien der Unterwerfung und Mediokrität zeichneten.

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Figurenpaar

Hl. Johannes der Täufer

Erstellung: J. Max, 1857.

Johannes war ein Bußprediger und Zeitgenosse Jesus von Nazareth. Ein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, aber Johannes wurde während der Regierungszeit Herodes (38 v. Chr. bis 5 v. Chr.) geboren. Sein erstes öffentliches Auftreten ist auf das Jahr 28 n. Chr. datiert, wo er in Galiläa und Judäa als Prediger in Erscheinung tritt und auch eine große Anhängerschaft besaß. Er führte ein betont kärgliches Leben und ernährte sich, zumindest zeitweilig, von Heuschrecken und wildem Honig. Unter seinen Anhängern befand sich auch Jesus, der sich von ihm taufen ließ. Da Johannes der Täufer immer auch das Kommen des Gottesreiches und das endzeitliche Gericht kommen sah, gilt er auch als Wegbereiter Jesus, der zeitweilig in Johannes Namen Taufen am Jordan übernahm.

Johannes fiel bei seinem Herrscher Herodes Antipas in Ungnade und wurde Ende der 20er oder Anfang 30 n. Chr. verhaftet. Als Grund dafür wird seine Kritik an der Neuvermählung Herodes genannt, der seine erste Frau verstieß und die Frau seines Bruders heiratete. Es könnte ihm aber auch nur seine wachsende Popularität zum Verhängnis geworden sein, die laut dem Geschichtsschreiber Flavius Josephus Befürchtungen beim Herrscher ausgelöst haben, dass der Prediger zum Aufruhr aufrufen könnte. Die Tochter von Herodias, der zweiten Frau des Herodes, soll als Dank für einen Tanz den Kopf des Predigers gefordert haben, dem Herodes nachkam. Dieser Tanz der Salome ist seit dem ein beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte, die in Literatur, Musik und in der Malerei oft umgesetzt wurde.

An der Stelle der heutigen Johannes-Statue stand früher eine Statuengruppe mit Namen "Die Taufe des Herrn". Sie wurde 1848 bei einer Kanonade stark beschädigt und 1857 durch das Werk von Josef Max ersetzt. Johannes wird hier als Asket in einfacher Fellkleidung und mit Kreuzstab dargestellt.

Zwischen dieser Statue und der folgenden Statuengruppe der hll. Wenzel, Norbert und Sigismund ist am Brückengeländer die Bronzetafel "Der heilige Johann Nepomuk auf den Moldauwellen" angebracht, die jene Stelle auf der Brücke anzeigen soll, von der angeblich Nepomuk in die Moldau geworfen wurde.

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Hl. Christophorus

Erstellung: E. Max, 1857.

Die Statue war das Ergebnis einer Sammlung Prager Bürger, die der damalige Bürgermeister Vaclav Wanka initiiert hatte. Ursprünglich befand sich bis 1784 an dieser Stelle eine Wachstube für das Militär. Durch plötzlich eintretendes Hochwasser wurden die darunter liegenden Brückenpfeiler so stark beschädigt, dass es die Wachstube und vier Soldaten in die Tiefe riß, die an dieser Stelle ertranken.

Der heilige Christopherus gilt als Schutzherr aller Reisenden und Kaufleute.

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Figurenpaar

Hll. Wenzel, Norbert und Sigismund

Erstellung: J. Max, 1853.

In der Mitte dieser Statuengruppe steht der hl. Norbert, flankiert vom hll. Wenzel mit Fahne rechts und dem hl. Sigismund links. Norbert wurde 1080 oder 1085 in Xanten geboren und starb am 6. Juni 1134 in Magdeburg. In seiner Karriere nahm er verschiedene Funktionen wahr: Er war zum einen Stifter des Prämonstratenserordens, die letzten acht Jahre seines Lebens zudem Erzbischof von Magdeburg und zwischendurch auch unter Kaiser Lothar III. Reichserzkanzler für Italien, ein in der Zeit wichtige Position, war er doch damit nach dem Kaiser der zweite Mann im Reich und für die Organisation der Königswahl zuständig. Nach seinem Tod wurden seine Gebeine 1627 in das Prämonstratenserkloster Strahov überführt, wo sie bis heute liegen.
Auf den hl. Wenzel wird noch in Figur 30 eingegangen und Sigismund war im 6. Jahrhundert ein Burgunderkönig, der sich gegen den Willen seines Vaters im Jahre 497 taufen ließ. Sein Leben war geprägt von Kämpfen mit den Ostgoten und Franken um die Macht, die sich noch zuspitzten als er seinen Sohn Siegerich ermorden ließ, den er des Verrats verdächtigte. Im Verlauf dieser Kämpfe wurden er und seine Familie im Mai 523 (oder 524) auf grausame Weise getötet, in dem man sie kopfüber in einen Brunnen stürzte. Seine Gebeine wurden später zum Teil nach Prag und zum Teil auch nach Freising überführt.

Die jetzige Statuengruppe ist die dritte, die an dieser Stelle steht. Die zwei älteren Fassungen sind nicht mehr auffindbar. Die drei Figuren stehen auf einem neugotischen Sockel, der mit lateinischen Inschriften versehen ist.

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Hl. Franziskus v. Borgia

Erstellung: F. M. Brokoff, 1710.
Engel: I. M. Platzer, 1765.

Franz Borgia war ein Herzog im spanischen Gandia und lebte von 1510-1572. Nach dem Tod seiner Gattin im Jahre 1542 ging er in den Jesuitenorden. Dort wird er 1565 zum dritten General gewählt. Die Statuengruppe zeigt ihn umgeben von zwei Engeln. Während der Engel zu seiner Linken das Zeichen des Lobes in Händen hält, weist der sitzende Engel auf ein Schild zu Ehren der Jungfrau Maria.

Zwar ist zu Füssen des linken Engels der Werkstatteigentümer Jan Brockoff als Künstler ausgewiesen, in Wahrheit aber war sein Sohn Ferdinand Maximilian der Erschaffer der Statue. Es war seine erste Arbeit als ausgereifter Künstler.

Bemerkenswert ist noch der runde Einschnitt im Brückengeländer. Hier stand von 1784 bis 1881 das Schilderhäuschen für einen wachhabenden Soldaten, der für die Sicherheit auf der Brücke zuständig war. Ursprünglich war dieses Häuschen mit der Statuengruppe verbunden.

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Figurenpaar

Hl. Johannes von Nepomuk

Erstellung: M. Rauchmüller, J. Brokoff, 1683.

Der hl. Johannes Nepomuk war die erste Statue auf der Karlsbrücke. Sie wurde im Jahre 1683 aufgestellt. Diese Plastik war das Werk einer länderübergreifenden Kooperation: Der Tonentwurf stammte von dem Wiener Bildhauer Matthias Rauchmüller (1645-86), während das Modell Johann Brockoff erstellte. Zuguterletzt besorgte noch der Nürnberger Wolfgang Hieronymus Heroldt den Guß. Ungewöhnlich ist auch das Erscheinungsbild der 2,50 Meter hohen und 20 Zentner schweren Plastik. Sie ist nämlich die einzigste Bronzefigur auf der Brücke und verzichtet auch im Ausdruck auf jegliche Exaltiertheit, die so manche andere Figur der Brücke auszeichnet.

Wohl um keine andere Figur der Brücke windet sich ein so großer Kranz von Geschichten und Legenden wie um den Generalvikar Johannes von Nepomuk. Dabei war das Leben der historischen Figur wenig spektakulär. Nepomuk war das, was man heute als Karrieristen bezeichnet. Aus kleinen Verhältnissen kommend, arbeitete er sich im Verlauf weniger Jahre zu einem einflußreichen und reichen Prälaten hoch. In einem kirchenrechtlichen Streit zwischen Wenzel IV und dem Erzbischof von Prag im Jahre 1393 schlug er sich auf die Seite des Erzbischofs und wurde dafür von dem erbosten König mit dem Tode bestraft. Schon bald wurde er von der Legende zum Beichtvater der Königin stilisiert, der dem neugierigen König nicht sein Beichtgeheimnis anvertrauen wollte und deshalb in der Moldau ertränkt wurde. Während er in den Fluten herabsank, bildeten sich an der Oberfläche fünf kreisförmig angeordnete Sterne, die man über dem Haupt der Brückenfigur nachgebildet hat und die früher oft das Opfer von Souvenirjägern wurden. Unter den Dieben befanden sich auch viele Studenten, da dieser Talismann als Glücksbringer in Prüfungen galt.

In einer über acht Tage andauernden Zeremonie wurde Johannes Nepomuk im Jahre 1729 heilig gesprochen. Das war nicht zuletzt auch ein politischer Akt, der von den Jesuiten initiiert wurde, da man auf Seiten der Gegereformation eine Leitfigur suchte, die es an Beliebtheit und Bekanntheit mit dem beim Volk hochverehrten Jan Hus aufnehmen konnte.

Unterhalb der Figur kann man eine Bronzetafel sehen, die den Moment des Brückensturzes widergibt. Viele Menschen reiben ihren Daumen am leuchtenden Gesicht des Heiligen, weil sie dadurch erhoffen, ein Abbild auf ihrem Daumen widerzufinden. Denn auf diese Weise hat man einen Wunsch frei, der unbedingt in Erfüllung geht.

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Hll. Ludmilla und Wenzel

Erstellung: B. Braun, 1720.

Ludmilla wurde genauso Opfer einer blutigen Familienfehde Ende des 9. Jahrhunderts um die Thronnachfolge Böhmens wie Anfang des 10. Jahrhunderts ihr Enkel Wenzel. Beide werden als Schutzpatrone Böhmens verehrt. Die Plastik zeigt Ludmilla, die in der linken Hand den Schleier hält, mit dem sie erwürgt wurde und mit der rechten auf die Bibel zeigt, aus dem ihr Enkel lesen lernt.

Die Statue stand übrigens ursprünglich auf der Rampe der Prager Burg vor der Kapelle der Jungfrau Maria vor den Einsiedeln und wurde erst 1784 auf die Brücke überführt, nach dem Hochwasser die vormals an diesem Platz stehende Statue des heiligen Wenzels durch Hochwasser beschädigt wurde.

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Figurenpaar

Hl. Antonius von Padua

Erstellung: J. U. Mayer, 1707.

Der Heilige Antonius von Padua, geboren im Jahre 1195, war ein Prediger, vor dessen Sprachgewalt sogar Tyrannen erzitterten und ein Schüler des heiligen Franz von Assisi. Eines Tages wurde er zu dem schlimmen Regenten Ezzelin III. nach Verona gerufen, der in einem grausamen Akt zuvor 10.000 Veroneser Bürger hinrichten ließ. Schon mit den ersten Worten des Predigers sank der Tyrann in sich zusammen. Um aber die Standfestigkeit des Priesters zu testen, schickte er kurze Zeit darauf seine Schergen mit kostbaren Schätzen los, um sie dem Heiligen Antonius aus Dank zu übergeben. Doch gleichzeitig gab er ihnen auf, dass sie den Prediger bei einer Annahme der Geschenke sofort töten sollen. Doch Antonius lehnte die Gaben ab und der Tyrann wußte nun, dass er es mit einem wahren Mann Gottes zu tun hatte. Nach vielen kräftezehrenden Missionarsreisen durch Italien und Südfrankreich starb Vater Antonius im Jahre 1231 mit nur 36 Jahren.

Die Statue zeigt Antonius mit dem Jesuskind an seiner Seite, das auf einem mit Voluten geschmückten Sockel steht. In der rechten Hand trug er früher eine Lilie, das Symbol des reinen Herzens. Allerdings fehlt dieses Zeichen derzeit.

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Hl. Franziskus Seraph

Erstellung: E. Max, 1855.

Die Statuengruppe "Franziskus Seraph" stellt den Gründer des Franziskaner-Ordens, Franz von Assisi, umgeben von zwei Engeln (Seraphen) zu seinen Seiten. Franziskus wurde 1181/1182 in Assisi, einer umbrischen Stadt am Fuß des Monte Subasio geboren und starb auch dort am 3. Oktober 1126 in der Portiuncula-Kapelle unterhalb der Stadt. Aus reichem Hause kommend, lernte er sehr früh lesen, schreiben und rechnen. Um 1204/1205 fühlte sich Franz immer stärker zu Gott hingezogen. Er brach mit seinen alten Verhältnissen, lebte in großer Armut und nach dem Vorbild Jesus Christus, dessen Leben er "sine glossa", also ohne Hinzufügen und Veränderungen nachahmen wollte. Im Jahre 1209 zog er mit zwölf Gefährten nach Rom um von Papst Innozenz III. die Erlaubnis zu erhalten nach den Regeln der Armut zu leben und Buße zu predigen. Er erhielt eine einstweilige Erlaubnis, die 1215 während des IV. Laterankonzils öffentlich verkündet wurde. Damit war der bis heute wirkende Franzikaner-Orden geboren. Nach 1219 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends (er erblindete langsam), so dass er die Ordensleitung abgab und sich auf den Berg La Verna zurückzog. 1226 spürte er, dass seine Tage gezählt sind und so unternahm er eine letzte Reise in sein Heimatdorf, wo am 3. Oktober 1226 verstarb.

Auf einem dreiteiligen Sockel im Barockstil steht Franziskus in einem Mönchsgewand gekleidet. Die Statue wurde 1855 aufgestellt, nachdem die vormalige Plastik, die 1708 von František Preiss erschaffen wurde, aufgrund von Witterungsschäden abgebaut werden musste.

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Figurenpaar

Hl. Judäus Thaddäus

Erstellung: J. F. Kohl, 1708.

Judas Thaddäus gilt als einer der zwölf Apostel. Aber weder sein Name noch überhaupt seine Existenz gelten als gesichert. In manchen Quellen ist von Judas die Rede (nicht zu verwechseln mit dem Judas, der Jesus verraten hat), in anderen Quellen wird von Thaddäus gesprochen. Ob beide Namen zu einer Person gehören, ist auch umstritten. Es könnte allerdings sein, dass der Name Judas nach dem Verrat des Namensvettern so befleckt war, dass Judas den Namen wechselte. Er lebte nach dem Tod Jesu als Missionar weiter und ist wohl in Persien von heidnischen Priestern getötet worden.

Die Figur auf der Karlsbrücke stellt ihn mit jener Keule dar, mit der er der Überlieferung nach während seiner Mission in Persion erschlagen wurde. Die Inschrift am Sockel der Statue lautet: "Dem frommen Freund Christi".

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Hll. Vinzenz Ferrer & Prokop

Erstellung: F. M. Brokoff, 1712.

Die Statue zeigt den spanischen Diakons Vinzenz, der zur Zeit der Christenverfolgung lebte, vom römischen Statthalter verhaftet, gefoltert und um 304 auch getötet wurde. Einer Legende nach wurde er während seiner körperlichen Torturen und auch nach dem Tode von Engeln bewacht. Heute ist er der Schutzpatron von Portugal, aber auch Patron der Holzfäller, Seeleute, Dachdecker und Töpfer. Auch in Burgund wird sein Gedenktag gefeiert.
Prokop von Sázava dagegen gehört zu den böhmischen Landespatronen. Prokop wurde um 970 in Chotouň, im Bezirk des tschechischen Kolin geboren und starb am 25. März 1053 in Sázava, einer kleinen Stadt, die auch heute noch existiert und im tschechischen Bezirk Beneschau liegt. Der Legende nach war erst ein verheirateter Priester, wurde später Mönch, der das Kloster Sázava in Böhmen gründete. Im Jahre 1204 war er der erste böhmische Heilige, der in Rom selber heilig gesprochen wurde.

Die Statuengruppe "Die hll. Vinzenz Ferrer und Prokop" gehört zu den bedeutendsten auf der Karlsbrücke. Sie zeigt den hl. Vinzenz, wie er einen Toten zum Leben erweckt. Links von ihm steht Prokop, unter ihm der besiegte Teufel. Interessant ist auch der Sockel der Statue mit seinen drei Pfeilern, die jeweils die Büste eines Juden, Türken und Satans zeigen. Die Bilder des Sockels zeigen Reliefs des jüngsten Gerichts sowie Prokop mit Teufelsgespann. Die Signatur des Schöpfers Jan Brockoff findet man übrigens im hinteren Bereich des Sockels. Man geht allerdings davon aus, dass nicht er der Urheber der Statue war, sondern sein Sohn Ferdinand Maximilian, der die bedeutenderen Werke schuf.

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Figurenpaar

Hl. Nikolaus v. Tolentino

Erstellung: J. F. Kohl, 1708.

Nikolaus von Tolentino wurde 1245 in Sant`Angelo in Pontano geboren und starb am 10. September 1305 in Tolentino, einer italienischen Stadt in den Marken. Nikolaus wurde 1270 zum Priester geweiht und ging 1275 als Prediger und Krankenseelsorger nach Tolentino, wo er für seine asketische Lebensweise und Seelsorger der einfachen Leute bekannt wurde. Zudem erzählte man sich einige Wundergeschichten von ihm. So sollte der überzeugte Vegetarier während einer schweren Krankeit zur Stärkung gebratene Rebhühner essen, doch kaum, dass er nach den Tieren griff, flogen die lebendig gewordenen Vögel davon. Vom 16. bis 18. Jahrhundert zähle Nikolaus von Tolentino zu den populärsten Heiligen in der christlichen Welt. Im Jahre 1325 wurde seine Kanonisation eingeleitet, die aber erst am 1. Februar 1447 vollzogen wurde.

Die Nikolaus-Statue auf der Karlsbrücke wird mit der für ihm typischen Attribut der Lilie dargestellt, dem Symbol der Jungfräulichkeit und Reinheit. Zudem befindet sich ein kleiner Engel zu seinen Füßen, mit einem Brotkorb auf seiner Schulter, das auf Nikolaus unermüdlichen Einsatz für die Armen und Kranken hinweist.

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Hl. Augustinus

Erstellung: J. F. Kohl, 1708.

Der Heilige Augustin war ein Kirchenlehrer und Philosoph. Geboren wurde er im Jahr 354 in Tagaste und gestorben 430 in Hippo Regius. Beide Orte lagen in Numidien und damit im heutigen Algerien. Augustinus ließ sich 387 taufen und war, laut Wikipedia, "ein wichtiger Philosoph an der Schwelle zwischen Antike und Frühmittelalter". Viele seiner Schriften sind erhalten geblieben. Seine "Bekenntnisse" (Confessiones) haben eine überragende Bedeutung in der Weltliteratur entfaltet und gelten als die erste Autobiographie, die neben persönlichen Erlebnissen auch seine Zeit reflektiert.

Die Brückenfigur des Augustinus hält in seiner Hand ein brennendes Herz und unter seinem rechten Fuß kann man ein ketzerisches Buch erkennen. Die Darstellung symbolisiert die flammende Liebe zum Herrn und in dem Buch ein Verächtlichmachung vermeintlich häretischer Irrlehren. Die Darstellung des kleinen Jungen zu seinen Füßen, der mit einer Muschel versucht Wasser auszuschöpfen, geht auf ein Erlebnis Augustins zurück: Gott als Dreifaltigkeit erschien ihm in der Gestalt eines kleinen Kindes am Meer und ermahnte ihn davon zu lassen Gott nur als ein einziges Wesen zu denken.

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Figurenpaar

Hl. Kajetan

Erstellung: F. M. Brokoff, 1709.

Kajetan von Thieme war Mitbegründer des Theatiner-Ordens. Geboren wurde er im Oktober 1480 im italienischen Vicenza und gestorben ist er am 7. August 1547 in Neapel. Ursprünglich studierte Kajetan Rechtswissenschaften, den er auch mit einem Doktortitel abschloß, empfing aber im Jahre 1516 die Prieserweihe um sich fortan nur noch um die Kranken und Armen zu kümmern. Im Laufe der Jahre bemerkte er viele Mißstände beim Klerus, die in ihm den Plan reifen ließen eine eigene Ordensgemeinschaft zu gründen. Zusammen mit Gian Pietro Carafa von Theatinum gründete er darum den "Ordo Clericorum Regularium, vulgo Theatinorum", der 1524 durch Papst Clemens VII. bestätigt wurde und bis heute unter seiner Kurzfassung Theatiner tätig ist. Im Jahre 1629 wurde er erst heilig- und 1671 dann auch noch heiliggesprochen.

Der Kajetan als Brückenfigur wird in seiner Ordenskluft dargestellt, in der Hand hält er ein Buch und eine Feder. Hinter ihm sieht man ein einen Obelisken, der von Engeln und Wolken umgeben ist (als Symbole der Dreifaltigkeit) und an dessen Spitze ein flammendes Herz zu sehen ist als Symbol der sich hingebenden Liebe zu Gott.

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Hl. Luitgard

Erstellung: M. B. Braun, 1710.

Die Plastik der hl. Luitgard stellt eine mystische Vision der Zisterziensernonne dar, die der damals 26jährige Tiroler Matthias Braun mit ungewöhnlichem Freimut in Szene setzte. Nicht nur, dass die blinde Nonne das Knie des gekreuzigten Jesus umfasst, sondern auch das Herabbeugen von Jesus, während die andere Hand am Kreuz festgenagelt bleibt, stellt eine kompositorische Kühnheit dar, die sicherlich für Aufsehen gesorgt hat und mit zu den schönsten bildnerischen Darstellungen auf der Brücke gehört.

Nachdem der Sandstein der Plastik durch Witterungseinflüsse porös wurde, erstellte man am Anfang des 20. Jahrhunderts einen Abguß der Statue und stellte das Original in die geschützten Räumlichkeiten des Lapidariums des Nationalmuseums.

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Figurenpaar

Hl. Philippus Benitius

Erstellung: M. B. Mandl, 1714.

Philippus wurde im Jahre 1233 geboren und stammte aus Benizia, einer kleinen Stadt im Staate Florenz. Nach einem absolvierten Studium der Philosophie in Paris, erwarb er sich danach noch einen Doktortitel im Fach Medizin. Doch ging er alsbald ins Kloster und stieg vom einfachen Prediger zum Obergeneral des Servitenordens im Jahre 1267 auf. Durch seine Fähigkeit als Prediger und aufgrund seiner umfassenden Bildung erwarb er sich in der ganzen Kirche einen herausragenden Ruf. Da er seine vornehmliche Aufgabe im Kampf gegen Ketzer und Häresien sah, nahm er die Wahl zum Papst nicht an. Philippus Benitius starb 1285.

Bildhauer Mandl war Hofbildhauer in Salzburg und die Statue auf der Karlsbrücke gehört zu seinen späten Werken. Im Jahre 1854 wurde ein Kopie des Originals angefertigt.

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Hl. Adalbert

Erstellung: F. M. und M. J. Brokoff, 1709.

Adalbert von Prag wurde um das Jahr 956 in Vojtěch geboren und starb auf einer Missionsreise an der Ostsee im Jahr 997 eines gewaltsamen Todes. Er entstammte einer böhmischen Fürstenfamilie und war ein gebildeter Mann mit vielen Kontakten. Im Jahre 982 wählte ihn Fürst Boleslav zum Bischof von Prag. Aufgrund seines Reformeifers (er wandte sich z. B. gegen Polygamie und Sklaventum) eckte er schnell beim heimischen Klerus an. Er bekam auch aufgrund der politischen Verhältnisse, in die seine Familie involviert war, immer wieder Schwierigkeiten. So brach er immer wieder aus um ein anderes Leben in Kontemplation und Askese zu leben. In diesem Geiste gründete er auch das Kloster Břevnov in Prag, das ein geistig-religöses Zentrum Böhmens werden sollte.

Die Darstellung zeigt ihn bei der Segnung des Landes nach seiner Rückkehr. Die Plastik auf der Karlsbrücke ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Schloß Troja.

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Figurenpaar

Hl. Veit

Erstellung: F. M. Brokoff, 1714

Der hl. Veit stammte aus einer reichen Familie in Sizilien. Schon in jungen Jahren konvertiert er zum christlichen Glauben und muß vor den Verfolgungen (auch seines Vaters) fliehen. Schließlich wird er gefaßt und im Jahre 305 hingerichtet, da er sich vor Gericht weigert sich von seinem Glauben loszusagen. Der Legende nach aber weigerten sich die Löwen den Jüngling in der Arena zu zerreißen und setzten sich vielmehr zu seinen Füßen nieder. Diese Szene fängt auch das Brückenmotiv ein.

Der hl. Veit ist wird vor allem von den Slawen religiös verehrt und ist auch der Schutzheilige des Altstädter Brückenturms und galt seit der Zeit Karls des Großen auch als Beschützer des Kaiserreichs.

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Hll. Johannes v. Matha, Felix v. Valois & Iwan

Erstellung: F. M. Brokoff, 1714.

Johannes von Matha und unterhalb von Iwan erkennt man noch Felix von Valois. Doch zu noch größerer Aufmerksamkeit gelangte der Wache haltende Türke, dessen abgebrochener Krummsäbel zwar immer wieder renoviert wird, aber zumeist nach kurzer Zeit wieder seiner Klinge verlustig geht. Auch zur Zeit sieht man nur den Säbelgriff. In den ersten Jahren nach der Aufstellung dieser Figurengruppe sorgte die Darstellung des Türken für großen Aufruhr unter den Pragern, da die Türken als grobschlächtige Vandalen galten. Man verlangte die Entfernung der Figur und bewarf sie mit Exkrementen.

Doch bewegte diese Figur nicht nur die Gemüter Prager Bürger des 18. Jahrhunderts, sondern auch unter den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts fand der Türke Beachtung. So berichtet Max Brod in seinem autobiographisch angelegten Roman "Prager Tagblatt" von den Ängsten, die er als Kind durchstand, wenn er an dieser Stelle der Brücke vorbeiging. Und in der Erzählung "Wie der Türke auf der Karlsbrücke um seinen Säbel kam" liefert Egon Erwin Kisch eine plausible Erklärung ab, warum sich die Waffe des Türken in dem beklagenswerten Zustand befindet. Aus Angst vor einem eifersüchtigen Ehemann, der seine erste Ehefrau schon mit einem Dolch erstach, zerbrach die von Angst gepeinigte Frau mithilfe eines großen Steins die steinerne Waffe der Statue. Und siehe da: mit dem Türkendolch der Brücke brach auch die Klinge des gehörnten Ehemanns daheim!

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Figurenpaar

Hll. Cosmas & Damian

Erstellung: J. U. Mayer, 1709.

Cosmas und Damian waren ein Zwillingspaar aus Aleppo in Syrien, die im dritten Jahrhundert als Ärzte wirkten. Doch neben ihrer medizinischen Berufung - der Legende nach behandelte sie Kranke unengeltlich - wirkten sie auch als Missionare. Zu ihrem Tod gibt es verschiedene Überlieferungen. In einer in Ägypten entstandenen Legende wurden sie nach verschiedenen Tötungsversuchen, die sie dank Engel überlebten, schließlich enthauptet. Eine andere Quelle spricht von einem Tod durch Steinigung, einer asiatischen Legende nach starben die Brüder aber eines natürlichen Todes.
Kosmas und Damian gehören zur Gruppe der heiligen Geldverächter, weil sie sich für ihre medizinischen Dienste nichts verlangten. Darum sind sie auch Schutzpatrone für eine Vielzahl medizinischer Berufe, auch wenn die Gratisbehandlung von Ärzten heute eher zur großen Ausnahme gehört ... ;-)

Die medizinische Fakultät von Prag spendete auch folgerichtig diese Statuengruppe im Jahre 1709, in deren Mitte Christus platziert ist, flankiert von den Brüdern (Kosmas zu seiner Rechten, Damian links von ihm).

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Hl. Wenzel

Erstellung: Josef Kamil Böhm, nach einer Aufzeichnung von Josef Führich, 1857.

Diese Plastik wurde von der Familie Klar gestiftet, die in Prag eine Blindenanstalt auf der Insel Kampa führte. Die Figur stellt den heiligen Wenzel dar, der einer der ältesten und bekanntesten Schutzheiligen in Böhmen ist. Wenzel entstammte dem Herrschergeschlecht der Premysliden und ist der Überlieferung nach im Jahre 935 durch seinen Bruder Boleslaw ermordet worden, der es nicht verkraften konnte, dass sein älterer Bruder auf dem Herrscherthron saß. Doch während Boleslaw als der "Grausame" allenfalls einen unrühmlichen Eintrag in das Geschichtsbuch bekam, wurde Wenzel immer verehrt, da er als gelehrt und gläubig galt und als jemand, der sich immer für die Armen und Entrechteten einsetzte. Merkwürdigerweise wurde Wenzel aber auch als Kämpfer gewürdigt, der mit gezücktem Schwert auf Münzen und Kampfschilden verewigt wurde.

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